Flussneunauge
Lampetra fluviatilis
Flussneunauge (Lampetra fluviatilis), gehoert zur Familie Petromyzontidae, lebt in Süßwasser, Brackwasser, Meerwasser, und ernährt sich als Fleischfresser.
Merkmale
- Körperform: Das Flussneunauge hat einen schlanken, aalähnlichen Körper und bewegt sich wellenförmig; die Form ist an das Saugverhalten und das Leben in Strömungsgewässern und küstennahen Meeresbereichen angepasst.
- Maulstellung: Mit einem rundlichen, saugfähigen Maul ausgestattet, erzeugt die Maulstellung einen dichten Verschluss auf Wirbeltieren und ermöglicht das Festheften und Abschaben von Gewebe.
- Die Grundfärbung ist grau bis blau-schwarz am Rücken und heller am Bauch (Countershading); juvenilen Ammocoetes sind blasser und oft sand- bis ockerfarben im Larvenstadium.
- Charakteristisch ist die runde Sauglippe mit hornigen Zähnen und die raspelartige Zunge sowie sieben Kiemenöffnungen an jeder Körperseite; ein knöcherner Kiefer fehlt.
- Geschlechtsunterschiede: Bei der Fortpflanzungsreife zeigen Männchen oft eine stärker ausgeprägte Rücken- und Kopfkontur sowie einen breiteren Kloakenbereich; Weibchen wirken insgesamt gedrungener und tragen häufiger sichtbare Eieransammlungen.
Lebensraum
Flussneunaugen nutzen stark strömende Flussabschnitte mit kiesigem Substrat zum Laichen, halten sich aber während der parasitären Phase in küstennahen Meeresgebieten und Ästuaren auf.
Wasserlebensraum: Süßwasser, Brackwasser, Meerwasser
Lebensraumtypen: Fluss, See, Ästuar, Küstengewässer, Küstennahes Freiwasser, Bodennah
Klimazone: Gemäßigt
Bodengrund: Kies, Feinsediment, Detritus / Laub
Temperatur: 0 - 20 Grad C
pH-Wert: 6.5 - 8.5
Lampetra fluviatilis kommt in weiten Teilen Europas vor, von Atlantikküsten über die Nordsee und das Baltikum bis in mediterrane Einzugsgebiete; lokale Populationen sind jedoch durch Flussregulierung und Gewässerverschmutzung beeinträchtigt.
Ernährung
Ernährungsweise: Fleischfresser
Nahrungsschwerpunkte: Fischfresser, Zooplanktonfresser, Detritusfresser, Algenfresser
Die adulten Flussneunaugen ernähren sich parasitisch von Körperflüssigkeiten und Gewebe anderer Fische, während die Larven (Ammocoetes) als Filter- bzw. Detritusfresser im Sediment leben und feinste organische Partikel aufnehmen.
Beute: Erwachsene heften sich an verschiedene Meer- und Süßwasserfische (z. B. Plattfische, Heringe, Forellen und andere Wirte) und saugen Blut und Gewebsflüssigkeiten; die Larven filtern Algen, Mikrodetritus und Mikroorganismen.
Verbreitung
Region: Europa, Atlantik, Nordsee, Ostsee, Mittelmeer, Schwarzes Meer, Afrika südlich der Sahara
Länder: Niger, Estland, Lettland, Litauen, Belgien, Deutschland, Dänemark, Frankreich, Vereinigtes Königreich, Niederlande, Norwegen
Lampetra fluviatilis kommt in weiten Teilen Europas vor, von Atlantikküsten über die Nordsee und das Baltikum bis in mediterrane Einzugsgebiete; lokale Populationen sind jedoch durch Flussregulierung und Gewässerverschmutzung beeinträchtigt.
Galerie
Besonderheiten
- Die adulte Phase ist häufig dämmerungs- bis nachtaktiv beim Aufsuchen von Wirtstieren, während Larven im Sediment überwiegend ruhend und passiv filtern.
- Außerhalb der Wander- und Laichzeiten sind die Tiere meist einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen anzutreffen; zur Fortpflanzung bilden sie temporäre Aggregationen und arbeiten gemeinsam an Nestbauten.
- Die Art ist anadrom: adulte Tiere wandern aus dem Meer in Süßwasser, um in kiesreichen Flussabschnitten zu laichen.
- Zur Laichzeit steigen die Tiere flussaufwärts, bauen flache Nester aus Steinen und Kies und entlassen Eier und Spermien synchron; adulte Tiere sterben kurz nach der Fortpflanzung.
- Beim Umgang sind scharfe Zähne und das Festheften zu beachten; zudem können belastete Individuen Schadstoffe akkumulieren, sodass ein Verzehr lokaler Bestände reguliert sein sollte.
Weitere Informationen
Taxonomie
- Klasse
- Petromyzontida
- Ordnung
- Petromyzontiformes
- Familie
- Petromyzontidae
- Gattung
- Lampetra
- Art
- fluviatilis
- Erstbeschreiber
- Linnaeus, 1758
- Synonyme
- Petromyzon fluviatilis
Morphologie
- Körperform
- Das Flussneunauge hat einen schlanken, aalähnlichen Körper und bewegt sich wellenförmig; die Form ist an das Saugverhalten und das Leben in Strömungsgewässern und küstennahen Meeresbereichen angepasst.
- Maulstellung
- Mit einem rundlichen, saugfähigen Maul ausgestattet, erzeugt die Maulstellung einen dichten Verschluss auf Wirbeltieren und ermöglicht das Festheften und Abschaben von Gewebe.
- Geschlechtsunterschiede
- Bei der Fortpflanzungsreife zeigen Männchen oft eine stärker ausgeprägte Rücken- und Kopfkontur sowie einen breiteren Kloakenbereich; Weibchen wirken insgesamt gedrungener und tragen häufiger sichtbare Eieransammlungen.
Fortpflanzung
- Fortpflanzungstyp
- Eierlegend
- Modus
- Zur Laichzeit steigen die Tiere flussaufwärts, bauen flache Nester aus Steinen und Kies und entlassen Eier und Spermien synchron; adulte Tiere sterben kurz nach der Fortpflanzung.
- Laichtyp
- Laichen in flachen Kiesnestern, gefolgt vom Absterben der Eltern
- Brutpflege
- Es gibt keine Brutpflege; nach dem Ablaichen bleibt der elterliche Beitrag auf den Nestbau und die einmalige Gametenfreisetzung beschränkt.
- Inkubation
- 14 Tage
Verhalten
- Aktivität
- Die adulte Phase ist häufig dämmerungs- bis nachtaktiv beim Aufsuchen von Wirtstieren, während Larven im Sediment überwiegend ruhend und passiv filtern.
- Sozialverhalten
- Außerhalb der Wander- und Laichzeiten sind die Tiere meist einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen anzutreffen; zur Fortpflanzung bilden sie temporäre Aggregationen und arbeiten gemeinsam an Nestbauten.
- Wanderung
- Die Art ist anadrom: adulte Tiere wandern aus dem Meer in Süßwasser, um in kiesreichen Flussabschnitten zu laichen.
- Endemisch
- Nein
- Biogeographie
- Paläarktis
Nutzung
- Fischerei
- Nur lokal von Bedeutung, meist als Bei- oder Fang in traditionellen Küsten- und Flussfischereien; kein großindustrieller Markt vorhanden.
- Aquakultur
- Für die kommerzielle Aquakultur ohne wirtschaftliche Relevanz, da die komplexe Wander- und Laichbiologie eine kontrollierte Zucht erschwert.
Schutz & Quellen
- CITES
- Nicht gelistet
- Quellen
- FishBase; IUCN Red List; Maitland, P.S. & Campbell, R.N. (1992) Freshwater Fishes of the British Isles.
Praxiswissen
Für wen ist dieser Fisch interessant?
In der Küche
Für Küche
Geschmack, Verarbeitung und Zubereitung
In der Küche
Für Küche
Geschmack, Verarbeitung und ZubereitungMittelfett
Das Skelett enthält viele knorpelige Strukturen, die das Filetieren erschweren und beim Essen berücksichtigt werden müssen.
Schwer
Das Fleisch wirkt kräftig und etwas ölig, mit eigenständigem, herzhafterem Aroma im Vergleich zu klassischen Weißfischen.
Das Fleisch ist eher kompakt bis dicht; die Struktur kann nach Verarbeitung fest und teils gelatinös erscheinen.
Muskelmasse (Filets) und in einigen Kulturen auch Leber und Rogen werden verwertet.
Die Haut wird meist entfernt; bei traditionellen Zubereitungen wird das Tier ganz verarbeitet oder in Stücke geteilt und entgrätet.
Häufig werden Flussneunaugen geschmort, gebraten, geräuchert oder in kräftigen Suppen verarbeitet.
Butter, Zitrone, Petersilie und weißer Pfeffer passen gut zur kräftigen, öligen Geschmackskomponente.
Gedämpfte Kartoffeln, Wurzelgemüse und säuerliche Salate ergänzen die kräftigen Aromen.
Trockener Weißwein oder leicht herbe Biere harmonieren mit dem dichten Geschmack.
Vor dem Kochen gut ausbluten und die knorpeligen Teile entfernen; beim Filetieren auf die besondere Körperform und die zahlreichen Knorpel achten.
In belasteten Gewässern können Flussneunaugen Schadstoffe akkumulieren; für regelmäßigen Verzehr schwermetallbelasteter Individuen gelten Verzehrempfehlungen.
