FischLex
Artenreiches Korallenriff in der Dämmerung als natürliche Klanglandschaft
Bioakustik-Reportage

Fische sind nicht stumm

Unter Wasser werben Fische mit minutenlangen Brummtönen, warnen Rivalen mit Knurren und bilden Chöre, die ganze Küstenabschnitte erfüllen. Ihre akustische Welt ist reich – und wird durch menschlichen Lärm zunehmend überlagert.

Lesezeit: 22 Min.
Aktualisiert: Juli 2026

Wer an eine Unterwasserwelt denkt, hört in Gedanken oft nur gedämpftes Rauschen. Vielleicht das Knacken eines Riffs, das Schlagen von Wellen oder den fernen Motor eines Bootes. Fische gelten dagegen bis heute als stumm. Das ist falsch. Viele von ihnen produzieren gezielt Geräusche, hören einander zu und verändern ihr Verhalten abhängig davon, wer ruft, wie laut ein Signal ist und aus welcher Richtung es kommt.

Manche Arten trommeln mit spezialisierten Muskeln auf ihre Schwimmblase. Andere reiben Zähne, Wirbel, Flossenstrahlen oder Brustflossenstacheln gegeneinander. Wieder andere besitzen einzigartige Mechanismen aus Sehnen, Knorpeln und Knochen, die wie ein biologischer Schnappapparat funktionieren.

Die Laute dienen nicht bloß dazu, Geräusch zu machen. Sie werben um Partner, verteidigen Nester, warnen Konkurrenten, koordinieren Gruppen und halten Kontakt in trübem Wasser oder in der Nacht. Ein Riff, eine Flussmündung oder ein See besitzt deshalb eine akustische Gemeinschaft – eine Klanglandschaft aus biologischen, physikalischen und menschlichen Quellen.

Noch ist nur ein kleiner Teil dieser Stimmen eindeutig einer Art und einem Verhalten zugeordnet. Unterwasseraufnahmen enthalten tausende Knack-, Puls-, Trommel- und Brummmuster, deren Urheber unbekannt sind. Moderne Hydrofone, autonome Recorder und lernende Erkennungssysteme beginnen, dieses unsichtbare Archiv zu entschlüsseln.

Gleichzeitig wächst der menschliche Anteil an der Unterwasserakustik. Schiffe, Freizeitboote, Bauarbeiten, Sonare und seismische Untersuchungen überdecken genau jene tiefen Frequenzen, in denen viele Fische kommunizieren. Die Frage lautet daher nicht mehr nur, ob Fische sprechen. Sie lautet auch, ob sie einander in einer lauter werdenden Welt noch hören können.

Schall im Wasser

Hören ohne äußere Ohren

Schall ist eine mechanische Bewegung. In Luft breiten sich Druckschwankungen aus; im Wasser geschieht dasselbe, doch das Medium ist dichter und die Schallgeschwindigkeit deutlich höher. Für Fische besteht ein Schallfeld aus zwei miteinander verbundenen Komponenten: dem Schalldruck und der Bewegung der Wasserteilchen.

Ein Fischkörper besitzt ungefähr dieselbe Dichte wie Wasser und bewegt sich daher teilweise mit dem Schallfeld. Im Innenohr liegen jedoch schwere Kalkkörper, die Otolithen. Sie folgen der Bewegung träger als das umliegende Gewebe. Diese relative Verschiebung verbiegt Sinneshärchen und wird in Nervensignale übersetzt.

Viele Arten nehmen vor allem Teilchenbewegung wahr. Bei anderen verstärkt eine gasgefüllte Schwimmblase den Schalldruck. Sie wird durch Druckwellen zusammengedrückt und ausgedehnt und über Gewebe, Knochen oder spezielle Verbindungen an das Innenohr gekoppelt.

Besonders ausgeprägt ist diese Kopplung bei Karpfenartigen und Welsen. Kleine Knochen des Weberschen Apparats verbinden Schwimmblase und Innenohr. Solche Hörspezialisten können häufig höhere Frequenzen und schwächere Signale wahrnehmen als Arten ohne direkte Verbindung.

Äußere Ohrmuscheln wären unter Wasser kaum nützlich. Fische hören mit einem System, das in den Körper integriert ist. Selbst das Seitenlinienorgan trägt zur Wahrnehmung naher, niederfrequenter Bewegungen bei, ist jedoch kein Ersatz für das Innenohr.

Nahaufnahme eines trommelnden Fisches in einem natürlichen Rifflebensraum
Dunkles Korallenriff als natürliche Bühne für Fischchöre

„Ein Riff ist nicht still. Es ist ein Konzert, dessen Musiker wir erst langsam ihren Stimmen zuordnen.“

Schallerzeugung

Trommeln, Reiben, Schnappen: Wie Fische Geräusche erzeugen

Der bekannteste Mechanismus nutzt die Schwimmblase. Spezialisierte, extrem schnelle Muskeln ziehen sich rhythmisch zusammen und versetzen die gasgefüllte Blase in Bewegung. Das Ergebnis kann als Brummen, Trommeln, Knurren oder Pulsfolge hörbar werden.

Krötenfische und Midshipman-Fische besitzen besonders leistungsfähige Schallmuskeln. Nestbewachende Männchen des Plainfin Midshipman erzeugen einen lang anhaltenden tiefen Summton, der Weibchen zu ihrem Versteck führen soll. Aggressive Situationen lösen kürzere Knurr- und Grunzlaute aus.

Um schnelle Folgen zu erzeugen, müssen Schallmuskeln kontrahieren und entspannen, ohne rasch zu ermüden. Ihre Fasern, Kalziumspeicher und Energieversorgung sind stärker auf Geschwindigkeit als auf Kraft optimiert. Bei manchen Arten gehören sie zu den schnellsten bekannten Wirbeltiermuskeln.

Eine zweite Strategie ist Stridulation: Harte Körperteile werden gegeneinander bewegt. Welse reiben beispielsweise Brustflossenstacheln in ihren Gelenken, Grunzer nutzen Schlundzähne, und andere Arten bewegen Knochen oder Flossenstrahlen. Der Körper oder die Schwimmblase kann das entstehende Geräusch verstärken.

Die winzige Art Danionella cerebrum zeigt, wie ungewöhnlich solche Systeme werden können. Männchen spannen eine spezialisierte Rippe gegen ein Knorpelstück. Beim Lösen beschleunigt der Knorpel stark und schlägt gegen die Schwimmblase. So entstehen kurze, erstaunlich intensive Pulse.

Dezibelwerte aus Wasser und Luft dürfen dabei nicht direkt miteinander verglichen werden. Referenzdruck, Messabstand und Schallausbreitung unterscheiden sich. Ein Fischlaut mit einer hohen Unterwasserzahl ist nicht automatisch am menschlichen Ohr so laut wie ein gleich bezifferter Luftschall.

Nicht jedes Geräusch ist Kommunikation. Kauen, Schwimmen, Fressen und Fluchtbewegungen erzeugen ebenfalls Schall. Von einem Signal spricht man erst dann, wenn die Erzeugung und Reaktion im biologischen Zusammenhang darauf hindeuten, dass Information übertragen wird.

Eine akustische Vielfalt,
die noch kaum katalogisiert ist

Fischlaute reichen von einzelnen Klicks bis zu minutenlangen Dauertönen. Manche Signale liegen so tief, dass sie eher als Vibration wahrgenommen werden. Andere bestehen aus schnellen Pulsfolgen, deren zeitliche Struktur Art, Größe oder Motivation verraten kann.

Eine globale Bestandsaufnahme dokumentierter Lauterzeugung erfasst hunderte sicher bestätigte Arten und zahlreiche weitere mit anatomischen oder verhaltensbezogenen Hinweisen. Gleichzeitig umfasst die Fischvielfalt mehr als 35.000 beschriebene Arten. Der überwiegende Teil wurde akustisch nie systematisch untersucht.

Selbst bekannte Stimmen sind nicht vollständig entschlüsselt. Ein und dieselbe Art kann unterschiedliche Rufarten für Werbung, Rivalenkonflikte, Nestverteidigung und Stress besitzen. Alter, Körpergröße, Geschlecht, Temperatur und sozialer Kontext verändern Frequenz und Rhythmus.

Unter Wasser überlagern sich zudem Tiere, Wellen, Regen, Strömung und Technik. Eine Aufnahme kann einen klaren Chorus zeigen, ohne dass bekannt ist, welche Art ihn erzeugt. Verlässliche Zuordnung erfordert synchronisierte Videoaufnahmen, Beobachtungen, Experimente oder Aufnahmen einzelner Tiere.

> 35.000 Beschriebene Fischarten Nur ein kleiner Anteil wurde bisher eindeutig mit charakteristischen Lauten verknüpft.
≈ 1.000 Arten mit bekannten Lauten Die Zahl wächst, bleibt aber weit hinter der tatsächlichen akustischen Vielfalt zurück.
> 140 dB Bei Danionella gemessen Ein etwa zwölf Millimeter kleiner Fisch erzeugt im Nahbereich außergewöhnlich intensive Unterwasserpulse.

Was Fische einander mitteilen

Ein Laut erhält seine Bedeutung durch Situation, Rhythmus, Wiederholung und die Reaktion des Empfängers.

Balz und Partnersuche

Männchen werben mit artspezifischen Rufen, zeigen Kondition und führen Weibchen zu Nestern oder Laichplätzen.

Drohung und Verteidigung

Knurren und Pulse können Eskalationen vermeiden, Rivalen vertreiben oder einen bereits besetzten Unterschlupf kennzeichnen.

Gruppe und Orientierung

Laute können Kontakt halten, Aktivität synchronisieren und Hinweise auf ein geeignetes Riff oder eine Ansammlung von Artgenossen liefern.

Balz & Fortpflanzung

Wenn ein Summton zum Wegweiser wird

An der nordamerikanischen Pazifikküste verlassen Plainfin-Midshipman-Fische nachts tiefere Gewässer und suchen flache Gezeitenzonen auf. Nestmännchen reinigen Höhlen unter Steinen und beginnen einen tiefen, gleichmäßigen Werbeton. Dieser kann lange anhalten und ist an ruhigen Küsten sogar über der Wasseroberfläche als Brummen wahrnehmbar.

Weibchen folgen dem Signal zum Nest, legen dort Eier ab und verlassen den Ort wieder. Das Männchen befruchtet und bewacht den Nachwuchs. Sein Ruf ist daher zugleich Partnerwerbung, Standortsignal und Hinweis auf ein verteidigtes Nest.

Das Hörsystem der Weibchen verändert sich während der Fortpflanzungszeit. Hormonelle Prozesse erhöhen die Empfindlichkeit für jene Frequenzen, die in den Werberufen besonders wichtig sind. Sender und Empfänger werden saisonal aufeinander abgestimmt.

Auch Umberfische, Dorsche, Grundeln und viele andere Arten produzieren Laute in Verbindung mit dem Laichen. In trüben Mündungen ist Schall besonders wertvoll: Sichtsignale reichen nur wenige Meter, während tiefe Rufe weitergetragen werden können.

Paarungsrufe enthalten Informationen, aber ihre genaue Bedeutung ist selten so eindeutig wie ein menschliches Wort. Rufdauer, Pulsrate und Lautstärke können mit Körpergröße, Erregung oder Ausdauer zusammenhängen. Weibchen bewerten vermutlich mehrere akustische und visuelle Merkmale gemeinsam.

Akustische Werbung birgt ein Risiko. Rivalen und Räuber können ebenfalls zuhören. Ein Männchen muss laut genug sein, um Partner zu erreichen, ohne unnötig viel Energie zu verbrauchen oder seinen Standort für Feinde besonders auffällig zu machen.

Fischchöre & Klanglandschaften

Wenn tausende Einzelrufe zu einem Landschaftsgeräusch werden

Ein Fischchorus entsteht, wenn viele Tiere gleichzeitig oder rasch nacheinander rufen und den Hintergrundpegel in einem bestimmten Frequenzband über längere Zeit anheben. Solche Chöre treten oft in der Dämmerung, nachts oder während der Fortpflanzungssaison auf.

Für einen einzelnen Fisch kann die Gruppe Reichweite und Auffindbarkeit erhöhen. Der genaue Standort eines Tieres wird im Gesamtklang zugleich schwerer zu bestimmen. Chöre können daher wie akustische Sammelpunkte funktionieren, ohne dass jeder Ruf isoliert verständlich bleiben muss.

Küstenbewohner berichten seit Jahrhunderten von brummenden Bootsrümpfen und vibrierenden Häusern. Häufig stammen solche Erscheinungen von Umberfischen oder Krötenfischartigen. Moderne Aufnahmen zeigen regelmäßige Tages- und Jahresmuster, die mit Temperatur, Mondphase, Gezeiten und Fortpflanzung zusammenhängen können.

Riffklanglandschaften beeinflussen auch junge Fische. Larven, die aus dem offenen Wasser zu einem Lebensraum zurückkehren, können natürliche Geräusche als einen von mehreren Orientierungshinweisen nutzen. Ein gesundes Riff klingt anders als eine sandige Fläche oder ein stark geschädigter Standort.

Diese akustische Signatur ist jedoch keine einfache Messzahl für „Gesundheit“. Knackkrebse, Wellen, Schiffe und unbekannte Fischarten überlagern sich. Bioakustische Indizes müssen daher mit visuellen Untersuchungen, Umwelt-DNA und Habitatdaten kombiniert werden.

Richtungshören

Wie findet ein Fisch die Richtung eines Geräusches?

Für Menschen entstehen Richtungshinweise durch Zeit- und Pegelunterschiede zwischen beiden Ohren. Unter Wasser sind solche Unterschiede im kleinen Fischkopf winzig. Schall läuft schnell, und Körpergewebe unterscheidet sich akustisch wenig vom Wasser.

Fische nutzen stattdessen die gerichtete Bewegung der Wasserteilchen. Otolithen und Sinnesfelder im Innenohr sind räumlich angeordnet. Abhängig von Richtung und Phase werden unterschiedliche Haarzellen stärker verbogen.

Neuere experimentelle Arbeiten zeigen, dass Fische Druck- und Bewegungsanteile miteinander vergleichen können. Die Schwimmblase liefert dabei ein indirektes, nahezu ungerichtetes Drucksignal; das Innenohr registriert gerichtete Teilchenbewegung. Aus dem Verhältnis beider Informationen kann eine Richtung entstehen.

Diese Fähigkeit ist für Balz, Flucht und Lebensraumsuche entscheidend. Ein Signal ist nur begrenzt nützlich, wenn der Empfänger nicht erkennen kann, woher es stammt. Dennoch ist das Richtungshören bei vielen Arten noch kaum untersucht.

Versuchsanlagen müssen Schallfelder exakt messen. In kleinen Becken reflektieren Wände und Wasseroberfläche die Wellen, sodass unrealistische Druck- und Bewegungsmuster entstehen können. Ergebnisse aus Aquarien lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf freie Gewässer übertragen.

Aktuelle Forschung 2025/2026

Vom unbekannten Klopfen
zur automatisch erkannten Art

Neue Rufmuster bei trommelnden Umberfischen

Eine 2025 veröffentlichte Studie charakterisierte Doppelimpuls-Rufe bei fünf südamerikanischen Umberfischarten. Diese Familiengruppe gehört zu den akustisch am besten bekannten Knochenfischen, dennoch waren die speziellen Doppelklopfer bisher nur selten beschrieben.

Die Rufe unterschieden sich in Dauer, Impulsabstand und Frequenzstruktur. Solche Merkmale können künftig helfen, Arten in trüben Küstengewässern akustisch zu erkennen und Fortpflanzungsansammlungen zu überwachen.

Die Studie zeigt zugleich, wie vorsichtig Zuordnung erfolgen muss. Ähnliche Mechanismen können ähnliche Laute erzeugen, und ein Ruf kann je nach Verhalten variieren.

Glasfaserkabel und lernende Systeme hören mit

2025 wurde an einem Riff im Roten Meer gezeigt, dass verteilte faseroptische Akustiksensorik neben klassischen Hydrofonen auch Fischaktivität und andere Bestandteile der Klanglandschaft erfassen kann. Bestehende Kabel könnten langfristig zu großflächigen Sensoren werden.

Gleichzeitig klassifizieren neuronale Netze Rufarten von Zackenbarschen und suchen in jahrelangen Aufnahmen nach wiederkehrenden Mustern. Sie beschleunigen die Analyse, ersetzen jedoch nicht die biologische Bestätigung der Schallquelle.

Die entscheidende Aufgabe bleibt eine verlässliche Referenzbibliothek: ein Ruf, eine sicher identifizierte Art, ein dokumentierter Verhaltenskontext und bekannte Aufnahmebedingungen.

Fischschwarm unter einem vorbeifahrenden Motorboot als Symbol für Unterwasserlärm
Unterwasserlärm

Wenn Motoren die Stimmen der Fische überdecken

Viele Fischrufe liegen im tiefen Frequenzbereich. Dort erzeugen Schiffsmaschinen, Propeller, Freizeitboote und Bauarbeiten ebenfalls viel Energie. Treffen Signal und Störgeräusch zeitlich sowie akustisch zusammen, wird Kommunikation maskiert.

Maskierung bedeutet nicht, dass der Fisch plötzlich taub ist. Der relevante Ruf hebt sich nicht mehr ausreichend vom Hintergrund ab. Die effektive Kommunikationsreichweite schrumpft – ähnlich wie ein Gespräch, das in einem lauten Raum nur noch auf kurze Distanz möglich ist.

Tiere können lauter rufen, Frequenz oder Zeitpunkt verändern, näher zusammenrücken oder einen Ort verlassen. Jede Reaktion kostet Energie oder verändert Verhalten. Wird ein Laichplatz regelmäßig beschallt, kann selbst eine scheinbar kleine Reichweitenminderung biologisch relevant werden.

Impulsive Quellen wie Rammarbeiten, Explosionen oder seismische Luftkanonen können zusätzlich Schreckreaktionen, Stress und bei hohen Pegeln physische Schäden verursachen. Das Risiko hängt von Schalldruck, Teilchenbewegung, Frequenz, Dauer, Entfernung und Art ab.

Nicht jeder Motor ist gleich problematisch. Langsame Fahrweise, leisere Propeller, Wartung, räumliche Schutzbereiche und zeitliche Einschränkungen während der Fortpflanzung können Belastung reduzieren. Entscheidend ist, akustisch sensible Orte und Jahreszeiten überhaupt zu kennen.

Passive Aufnahmen liefern dafür eine neue Grundlage. Wenn ein nächtlicher Chorus zuverlässig Laichaktivität anzeigt, kann Management menschliche Lärmquellen genau in diesem Zeitraum begrenzen, statt pauschal und ineffizient vorzugehen.

Aquarium & Haltung

Was Fische im Aquarium hören

Aquarien sind akustisch keine stillen Räume. Filter, Pumpen, Luftheber, Kühler und Magnetventile übertragen Vibrationen über Wasser, Glas und Möbel. Für Menschen kann ein Gerät leise wirken, während niederfrequente Schwingungen direkt in das Becken gelangen.

Das Klopfen an die Scheibe erzeugt keine freundliche Kontaktaufnahme. Es löst eine abrupte Druck- und Vibrationswelle aus, die Tiere erschrecken kann. Besonders problematisch sind wiederholte Schläge oder plötzlich bewegte Gegenstände am Glas.

Alltagsgeräusche im Raum werden teilweise übertragen, vor allem wenn Lautsprecher oder Geräte mit dem Möbel verbunden sind. Wie stark ein Fisch reagiert, hängt von Art, Frequenz, Gewöhnung, Beckenaufbau und Rückzugsmöglichkeiten ab.

Ein absolut geräuschfreies Aquarium ist weder realistisch noch notwendig. Sinnvoll sind vibrationsentkoppelte Pumpen, stabile Unterlagen, regelmäßige Wartung und das Vermeiden unnötiger Impulse. Dauerhafte Vibrationen sollten nicht einfach als unvermeidbares Hintergrundgeräusch akzeptiert werden.

Manche Aquarienfische produzieren selbst hörbare Laute. Knurrende Guramis, Welse, Schmerlen und verschiedene Buntbarsche nutzen Geräusche bei Konkurrenz, Balz oder Stress. Wer nachts genau hinhört, entdeckt möglicherweise eine zweite Kommunikationsebene seines Beckens.

Mythen im Faktencheck

Fünf Irrtümer über Fischlaute

„Fische sind stumm.“

Falsch. Zahlreiche Arten erzeugen gezielte Laute für Balz, Konkurrenz, Nestverteidigung oder Kontakt. Viele weitere sind akustisch noch nicht untersucht.

„Die Schwimmblase ist nur für den Auftrieb da.“

Falsch. Bei vielen Arten unterstützt sie zusätzlich Hören oder Schallerzeugung. Ihre genaue Funktion unterscheidet sich jedoch stark zwischen Fischgruppen.

„Ein hoher Dezibelwert unter Wasser entspricht derselben Lautstärke an Land.“

Falsch. Unterwasser- und Luftschall verwenden unterschiedliche Referenzwerte und Ausbreitungsbedingungen. Zahlen lassen sich nicht direkt gleichsetzen.

„Fische hören nur sehr tiefe Töne.“

Zu pauschal. Viele Arten sind auf tiefe Frequenzen spezialisiert, Hörspezialisten können jedoch deutlich höhere Bereiche wahrnehmen.

„Wenn ein Fisch nicht flieht, stört ihn Lärm nicht.“

Falsch. Maskierung, Stress und veränderte Aufmerksamkeit können auftreten, ohne dass ein Tier den Ort sofort verlässt.

Häufige Fragen

Fragen zur Sprache der Fische

Die wichtigsten Antworten kompakt und verständlich.